Gehen

Nimm Dir Zeit zum Lesen, lies es nochmals. Um wen handelt es sich?

Kaum einzufangen, zerrinnt zwischen den Worten. Er ist einfach da. Ich schau aus seinen
Augen, höre mit seinen Ohren. Die Füsse tragen seine Masse – die Knochen, das Wasser, seine
Bänder, Organe, Knorpel, Zellen – und sind unablässig in der Luft. Einer nach dem andern. Im
letzten Moment, bevor mein Gewicht vornüber fällt, setzt er mit der Ferse auf. Bäri. Sein Bruder
Charlie ist nämlich bereits auf dem Sprung, stösst sich mit der Fussballe ab, die längste Zehe
berührt noch ganz fein den Boden und, weg ist er. Die Sohle wendet sich dem Himmel zu, wer
weiss, was er jetzt macht, aber Bäri ist da. Von der Ferse zur Fussmitte abgerollt, und genau
jetzt, hier, stemmt Bäri die gesamte Masse. Druck auf den Boden. Der Körper spannt sich nach
oben, idealerweise kommt er ins Lot. Dauert vielleicht eine Zehntelsekunde, die Masse atmet
durch, hat den höchsten Punkt erreicht, eben noch klares Fliessen, Bäri wechselt auf die
Fussballe, oben bricht alles um, Desorientierung, Abgrund – Charlie fängt gekonnt auf. Bäri
verabschiedet sich.

Eine meiner Feldstudien, August 2021

Morgenspektakel bei mir im Dorf

Samstagmorgen, 07:16, die Hauptstrasse von Achalkalaki in Zentralgeorgien ist leer, nur zwei ältere Herren halten am Strassenrand einen Morgenschwätz. Wartend vor der Apotheke mach ich ein bisschen Beingymnastik, das fiel mir plötzlich ein, früher machte ich das oft, und beim nächsten Mal schauen gehts los: Das muss die Leitkuh sein, mit sicherem Schritt führt sie den rumpelnden Tross an, von den Seitenstrassen stossen laufend mehr dazu

Nini, die Viehüterin, hält die lebhafte Schar mit ganzem Einsatz zusammen, mit ihrer dunklen Stimme ruft sie laut und fast ohne Unterbruch „Hoho, hoho!“

Rund hundert Kühe treiben Nini und ihr Bruder täglich von den zwei Dörfern Achalkalaki und Garikula ins süsse, würzige Grün. Von viertel nach sieben bis halb acht sammeln sie auf der Hauptstrasse der zwei zusammengewachsenen Dörfer die Tiere ein, dann gehts ostwärts raus aus den Häusern, aber halt, da kommen noch welche von oben, und Tamar sitzt geniessend im Kinosessel vor ihrem noch geschlossenen Gemischtwarenlädeli.

Es wird gedudelet, wie ich früher auf dem Schulweg, heiss und dampfend gebrunzt, das hab ich natürlich nicht gemacht, und überall genascht wo’s was zu naschen gibt, das jedoch hab ich auch gemacht

Durch den Friedhof, einer von mehreren, die auf den Hügeln oberhalb der zwei Dörfer verteilt sind, gehts dann ab auf die grossen Wiesen, die von Gelb wieder auf Grün gewechselt haben seit es im August öfter mal wieder regnet, nachdem in der Hitze von Mitte Juni bis Ende Juli kaum ein Tropfen fiel

Bruder Schalva kommt mit der Nachhut

Nino treffe ich später, sie verpasste den Tross in der Hauptstrasse und muss ihre vier Milchspenderinnen nun selber zur Herde bringen

Und Sopo, zu Deutsch Sofie, macht vor dem grossen Gemischtwarenladen im Zentrum sauber; um 9 Uhr wird geöffnet.

Georgische Musik und Tanz_6

Wacho und ich schafften es nicht auszumachen, unter welch lichtdurchflutetem Dach Natia Todua singt. In Tiflis ist es bestimmt. „Magnolia“

Niaz Diasamidze prägt die Musik in Georgien seit den 90er Jahren. Hier hat er sich mit jungen Sänger_innen zusammengetan – „Walk in the Music“ – auf einer Freilichtbühne in den zerklüfteten Hügeln oberhalb Tiflis

Und auf derselben Bühne das Georgische Nationalballett „Sukhishvili“, während verschiedener Proben. Kein bisschen verstaubt, was die Truppe von 70 Tänzerinnen und Tänzern unermüdlich erarbeitet. Gegründet 1945 von Nino Ramishvili und Iliko Sukhishvili, führen heute ihre Enkelkinder Iliko Sukhishvili Jr., Chefchoreograph, und seine Schwester, Nino Sukhishvili, stellvertretende Managerin und Kostümdesignerin, das kreative Abenteuer mit vollem Einsatz weiter. Sie schaffen es, das ursprünglich Georgische in ihrer unzimperlich zeitgenössischen Kunst immer mitschwingen zu lassen. https://www.youtube.com/watch?v=KJB7Y16n_vw (dies der Link, das Video hat zu viel Datenmenge um es sinnvoll einzubetten)

Ich war 2017 im Publikum, als Iliko Sukhishvili Jr., er hatte grad neu den Posten des Chefchoreographen übernommen, mit einer Auswahl von Tänzer_innen am Art Gene Festival Tbilisi erste Arbeiten und sich selber vorstellte. Noch heute fühle ich die Emotionalität, die dieser Auftritt hatte. Typisch georgisch; sehr familiär und direkt. Unbeholfen und lang seine Rede. Iliko scheute sich nicht nah an der Lächerlichkeit vorbeizudriften. Er sagte alles was ihm am Herzen lag. Was er seither Jahr für Jahr mit dem Nationalballett erschafft ist Weltklasse. Oft sind sie international auf Tour – hingehen!

Anschliessend improvisierte er zusammen mit seinen Leuten, das Orchester gehört ebenfalls zur Truppe

Bevor das Wasser aus dem Hahn kommt

…muss ich den Töff anstossen. Seit bald zwei Wochen haben wir ein Wasserreservoir von gefüllten Petflaschen und Yoghurtgläsern in der Küche. Wasserknappheit. Erst jetzt dämmert uns wie prekär die Wasserversorgung hier vielerorts auf dem Lande ist. Auf der politischen Agenda und in den Medien ist es kein Thema, es betrifft ja nur die Landregionen. Im Winter brachte eine alteingesessene Tifliser Politikerin die allgemeine Einstellung zur Landbevölkerung auf den Punkt: Dass die Verwandten von Bidzina Ivanishvili, dem Miliardär, dessen Haus wie ein Grosslaboratorium oberhalb Tiflis thront, immer noch in der ärmlichen Gegend rund um Sachkhere, Westgeorgien, wohnten, war für sie klares Indiz für die intellektuelle Beschränktheit der Familie. Sie erntete zwar einen Shitstorm, dass sie diese Aussage jedoch in aller Ruhe vor laufender Kamera machte, spricht Bände.

Wenn ich jetzt, bevor ich in der Küche – vielleicht – fliessendes Wasser bekomme, nach draussen laufe, zehn Meter im Garten auf dem erdigen Wägli der Mauer entlang gehe, von oben sorgfältig den Bretterverschlag öffne, der unseren Wasserzulauf in sich birgt; das rote Kunststoffrad aufdrehe, den zischenden und glucksenden Spritzern ausweiche, bis sie sich in ein gleichmässiges Fliessen verwandeln- die zehn Meter zurück gehe zum Brunnen und dort als Anfang mal den Wasserhahn öffne – dann melden sich in mir Bilder aus der Zeit als ich 16 war: Ich mit dem vom Bruder geliehenen Töffli zu meinem ersten Freund fuhr. Einen knappen, selbstgenähten! Minijupe anhatte. Damit ich den Töff starten konnte, in einem subtilen Balanceakt von Lenkstangehalten und mit den quasi aneinandergeschweissten Beinen einseitig das Pedal runtertreten musste. Der Clou des Abends war für die Familie meines Freundes, mir zuzuschauen, wie ich das Spektakel bei ihnen wiederholte um nach Hause zu fahren. Der Abschluss ging nämlich so, dass ich in meinem Nixenzustand auf das laufende Töffli aufspringen musste: Das Gas fein dosieren, leicht anfahren und hopp! – auf den Sitz gesprungen. Und so fühl ich mich nun also wenn ich versuche, bei uns das Wasser ins Haus zu bringen.

Noch ein Wort zu unserer 12-tägigen Tour mit Gästen aus der Schweiz, einer Zusammenarbeit mit Globotrek. Ei, war das schön. Wenn Georgien, dann jetzt! Hab genug Platz und Zeit um die Natur, die Stadt, und touristische Hotspots in Ruhe zu geniessen. Wir waren eine Truppe von 51 bis 84 Jahren. Einfach die Seele baumeln lassen; und voller Erlebnisse und neuer Kraft in die gewohnte Welt zurückkehren.

Georgiens Frühlings-Schätze

Obwohl das Deutsche Betäubungsmittelgesetz den Anbau und Vertrieb aller Pflanzenteile vom obigen Orientalischen Mohn verbietet, liess sich Wacho nicht davon abbringen, dass die Pflanze keine die Wahrnehmung beeinflussenden Substanzen haben könne, denn: „Die wären hier sonst schon längst in selbstgebastelten Küchenlaboratorien verschwunden.“ Wie auch immer, die Mohnfelder, nördlich von unserem Wohnort am Mtkvari-Ufer, sind atemberaubend, auch Schildkröten tummeln sich dort. Überquere eine lottrige, ausrangierte Eisenbahnbrücke, und schon bist Du dort. Die silbrigblättrigen Ölweiden werden im Hochsommer Früchte tragen, die im Orient verspiesen werden. In Georgien jedoch nicht – natürlich werde ich die Regel brechen.

Ganz anders ist die Vegetation oberhalb von unserem Dorf, südlich, im Waldgebiet. Ein Meer von Schlüsselblumen, durchsetzt von tiefblauen Traubenhyazinthen, Anfang Mai

„… in der Germanischen Mythologie zählte sie (die Schlüsselblume) zu den Pflanzen, die von Elfen und Nixen geliebt und beschützt wurden. Auch wird von einer Sagengestalt, der Schlüsseljungfrau, berichtet, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren.“ (Wikipedia)

Den diesjährigen Orchideenreigen eröffnete das Purpur-Knabenkraut, und auch die Korallen-Pfingstrose leuchtete auf dem Waldboden. Hm, manchmal steige ich auf Bäume

Rote Bohnen und georgische Musik

Nahrungsspender, bevor ich einen Finger gerrührt habe. Arzneipflanzen, bevor mir etwas weh tut. Mein Garten machts möglich, da spriesst so viel, ich komm gar nicht nach mit dem Bestimmen der Pflanzen. Auch ein Exemplar des Bastard Mohns hab ich gesichtet: Alles an ihm ist giftig, mit seinen pink Blüten und den dunkelvioletten Staubbeuteln ist er jedoch wunderschön. Ansonsten Hirtentäschel, Weisse und Rote Taubnesseln, Beinwell, Grüne Minze, Rotes Adonisröschen und eben, noch viel mehr.

Die Kräuter- und Gemüsesamen hab ich gesät, Schritt für Schritt, nicht mehr als drei Sorten pro Tag. Das Landleben nicht gewohnt, gehe ich mit meinen Kräften sorgfältig um, so lernte mich der Alltag. Einzig die Roten Bohnen (Lobio auf Georgisch) sind noch nicht in der Erde, da bin ich verspätet, aber ehrlich gesagt weiss ich kaum wo ich die noch pflanzen soll. Als ich die Bohnen zum Säen kaufte, waren sich die Frauen einig, dass es davon mindestens ein Kilo brauche. Lobio wird in der georgischen Küche viel gebraucht, auch wenn der Eintopf, der ebenfalls Lobio heisst, alles andere als ein Schnellgericht ist: Kräuter schneiden bis zur Trance, Baumnüsse mörsern bis die Muskeln zappeln und Eile, bis alles schön weich ist, wäre fehl am Platz. Ich hab das bis jetzt ein Mal gemacht, es schmeckte sehr gut – vielleicht würde es uns jedoch auch reichen, wenn ich davon weniger pflanzen würde?

So anregend es im Garten auch sein mag, seit es warm geworden ist, können wir endlich alle Räume im Haus benutzen. Sehr gerne ziehe ich mich manchmal in den grossen Dachraum zurück und höre Musik:

Megi Gogitadze – „Wenn ich könnte“ (me rom schemedzlos)

Oto und Irakli – Sekunde (zami)

Blühen, scheinen, schimmern und wimmern

Nun ist es auch bei uns warm geworden und der Frühling ist da!

Leider kann auch ich mich nicht nur mit Naturbeobachtung und Kaninchen beschäftigen. Mit zweimonatiger Verspätung traf bei mir die Nachricht ein, dass mein Vorsorgefond nun Nachhaltigkeitsgrundsätzen angepasst wurde und die Bank dadurch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und zukünftigen Generationen übernähme. Die Geldanlage wurde den ESG-Klassifikationen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) angepasst. Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel darüber und dachte das sei Zukunftsmusik im unglücklichen Sinne (Originaltext auf Englisch); und merke jetzt, dass das tatsächlich schon voll in der Umsetzungsphase ist (die Geldströme werden völlig neu organisiert, im Schwerpunkt weg von fossiler Energie zu sauberer Energie). Das tönt natürlich gut und wer nicht hinter die Fassaden sieht, lehnt sich vertrauensvoll zurück. Die Entscheide, die die Finanzbranche im Alleingang getroffen hat, haben jedoch absolut Nichts mit den Forderungen zu tun, für die sich die Jugendlichen im 2019/20 auf der Strasse einsetzten oder die KlimaSeniorinnen mit ihrer Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im vergangenen März.
Wer nach welchen Kriterien zukünftig Geldtöpfe wird anzapfen können, entscheiden – entschieden – einzig und allein die, die Milliardenschwer sind: BlackRock, JP MorganChase; Barclays Bank; HSBC; Swiss Re und viele andere mehr, es sind verschiedene Arbeitsgemeinschaften des Finanzsektors, die einander zuspielen.

Es geht nicht um’s sich zurücknehmen, kleinere Brötchen backen, verzichten, die Welt und sich selber anders denken.

Der Pariser Klima Vertrag von 2015, der u.a. für die Weltgemeinschaft eine Null-Emmissionen Vorderung bis 2050 stellt, wird als Vorlage genommen für die Verlagerung von Öl, Gas und Kohle zu „Grün und Sauber“. Das ist doch genau das, was wir alle wollen? Ja was ist denn das neue Grün und Sauber, das uns so vertrauensvoll anlächelt und verführerisch lockt? Es ist zum Beispiel die Solare Utopie von Elon Musk, der uns mit Elektro-Autos und Solartechnologie (Tesla) zu Hilfe eilt, oder das französische Konsortium Colas (Strassensolarpanels, die Normandie hat’s ausprobiert – ein Fiasko) und natürlich hält auch Bill Gates in seinem neuen Buch „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“ allerlei technologische Rezepte bereit und die saubere Atomenergie brauchen wir unbedingt.

Hast Du den Film „The Planet of the Humans“, 2019, Jeff Gibbs, produziert von Michael Moore, gesehen? Interessiert es Dich, was hinter der Hardware von Solarpanels steckt, die Lebensdauer von Windrädern, und was Elektroautos, ausser dass sie kaum Lärm machen, auch noch mit sich bringen? Themen von Grün und Sauber, die medial und gesellschaftlich ausgeklammert werden: Das Duo Gibbs/Moore adressiert sie pointiert

Die Frage nach den Energieressourcen in meinem Beitrag Nicht jede Welle ist ein Naturphänomen vom 20.11.2020, hat sich seit der freundlichen Information meiner Bank und alles was ich mir rund um die ESG-Klassifikations-Anpassungen zusammenreimen konnte, geklärt. Beruhigt bin ich keinesfalls.

Kann es wirklich sein, dass der Finanzsektor der Welt und den Menschen vorgibt, wo’s lang geht? Ohne Verhandlung, ohne Diskussion? Für was ist die Politik da? Für was sind wir denkende und fühlende Menschen, wo ist unsere Perspektive, die Welt gemeinsam gestalten zu können?

Wir sind schon weit gegangen, mitgegangen, im Tanz um das goldene Kalb. Wir stecken tief im Leim. Die, die Konten haben gehen mit, weil’s neben dem von der Finanzwelt Verordneten mittelfristig keine Gewinne mehr geben wird. Und die, die keine Konten haben, dazu gehören Menschen, Tiere, Pflanzen, das ganze Ökosystem; nun, die stehen nicht im Zentrum der Lösungsfindungen.

Schwerer Entscheid

Neben meinem Fuss sitzt Tüpfli. Sein Fell ist dichter langer Flaum, darunter spüren meine Hände jedes feine Knöchlein. Auf dem Bauernmarkt ist es mir in die Augen geblitzt, weiss mit schwarzen Flecken, die sich völlig ziellos im Weiss versammelt haben. Der sonntägliche Markt bei uns im Dorf bietet neben Kaninchen, Hühnern und Enten auch Schweinefleisch aus dem Kofferraum, selbstgezogne Samen für Gemüse, Kräutlein und Blumen, Käse und Honig, Gummistiefel, Secondhand-Kleider, selbstgestrickte Mützen, Pfannen und ausgestopfte Wildvögel. Überglücklich trug ich das kleine Sein in meinen Händen nach Hause.
Am nächsten Tag las ich über seine Haltung und blinzelte zwei Mal. Alleine halten ist sowieso verboten und bitte ein Gehege von mindestens 6 m2. Ja natürlich, das leuchtet mir ein, so ein lebhaftes Tier braucht Auslauf und in 40 Jahren ändert sich manches, für die Tüpfli-Ausgabe, die ich als Kind hatte, stellte niemand den engen Käfig in Frage. Schon denke ich über einen passenden Platz im Garten nach. Beginne die Sachlage mit Wacho zu besprechen. “So so. Ein georgisches Kaninchen willst du mitteleuropäisch halten?”, “Ja unbedingt, alles andere wäre Tierquälerei. 60 cm muss das Gehege auch unter der Erde vergittert sein, damit Marder, Füchse, Hunde und Katzen nicht rein kommen.” Der Deutsche Tierschutzverein zeigt als Beispiel ein Gehege, das mir machbar erscheint, ein Dreieckbau, der uns das Flachdach ersparen würde. Wacho zeigt mir ebenfalls verschiedene Möglichkeiten: Ein tragbarer Käfig, den wir drinnen und draussen platzieren könnten. Ein Turm, der auf Bauchhöhe die traditionelle Zelle hat, damit fremde Tiere abgehalten werden. “Oder schenk diesen Hasen doch einfach weiter.” Ich geh hinters Haus schauen wie lang die Holzlatten sind, die dort liegen, und nehme eine mit nach vorne. Lege sie auf das geplante Stück Boden, 3 m. Passt gut. Für das Dreieck müssten die Latten schräg in der Erde stecken, auf dem geplanten Platz mit der Mauer eher schwierig. Unser Garten ist reich bepflanzt mit jungen Fruchtbäumen und einen Teil brauchen wir für den Gemüsegarten, den wir in wenigen Tagen aus der Taufe heben wollen. Wacho ist hinzugekommen und schenkt mir einen schrägen Blick “ich unterstütze dich, Brigitte, wo ich kann.” Wir hatten diesen Winter ein paar handwerkliche Notfälle und fanden zum Glück immer jemanden, der uns rettete. Wacho hätte für seinen Traumberuf als Arzt sicher gute Hände gehabt und ich bin in vielem geschickt, aber die geborenen Handwerker sind wir nicht, ja nicht einmal angelernt. 
Meine Mutter hat heute Geburtstag. Ich ruf sie an und auf meine Tüpfli-Geschichte meint sie beiläufig: “Brings doch wieder zurück”. “Dann würde ich Tüpfli quälerischen Bedingungen überlassen”. 
Zum Hirnauslüften gehen wir mit Sato, unserem jungen Hund, im Wald spazieren. Der Schnee, der wochenlang im Wald lag, hat einem Teppich von Vorfrühlings-Alpenveilchen Platz gemacht, diese sind hier endemisch

Auf dem Weg zurück ins Dorf fahren wir an vielen blühenden Kornelkirschbäumen (Tierlibäumen) vorbei, ihre goldgelben Blüten zeigen sich dem Himmel noch vor den Forsythien. Aus den Früchten macht frau hier sehr gerne Muraba, eine Art flussige Konfitüre, die z.B. zum Tee gereicht wird 

Bildquelle: Internet, blühende Kornelkirschbäume im Wind

“Du wolltest noch beim Laden vorbeischauen, der Handwerkszeug verkauft. Gehen wir?” fragt Wacho. “Ja, aber wir kaufen nur Spaten und Werkzeuge, die wir brauchen für den Gemüsegarten. Das Kaninchen bringe ich nächsten Sonntag wieder zurück oder verschenke es einer Nachbarsfamilie mit Kindern.”

Wo die Felsen Augen haben

Oh scheint das lange her! Im Frühling 2019 war Iris Lemanczyk im Land, sie sammelte Früchte für ihr Reisebuch über Georgien. Als farbiges Schweizer Tierlein, das sich im Kaukasus zwischen den schiefen Häusern von Tiflis eine Höhle gestrickt hatte, schien ich ihr ein mögliches Früchtchen für zwischen die Buchklappen. Aus dem Interview und dem gemeinsamen Ausflug zum Friedhof am Ostersonntag, entstand die Erzählung „Friedhofs-Picknick“. Iris schnürt in „Fremdes Georgien – Wo die Felsen Augen haben“, ein lockeres Bündel ihrer Begegnungen mit Menschen und was sie durch sie über die Kultur, Geschichte und Gesellschaft des Landes hört. Ein toller Mix von Info und was fürs Gemüt!
Das Buch ist auch in der Schweiz erhältlich.
…jetzt, wo die Georgische Grenze wieder offen ist und Gäste aus der EU und der Schweiz vereinfacht einreisen könnenmehr Info