Nachbar Iura

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Unser Treppenhaus, das normalerweise eher sec daher kommt, war letzte Woche verwandelt. In einem Augenblick geschah eine nicht rückgängig zu machende Veränderung. Iura von der Wohnung gegenüber war verstorben. Um die 70, richtete er sich im letzten Jahr auf den Zwischenbödeli der Treppe immer wieder Sitzgelegenheiten ein, um die Reise in den 5. Stock zu schaffen. Allzeit freundlich und herzlich. Und letzte Woche lag sein Körper im gekühlten Sarg mit Fenster im Wohnzimmer bei uns gegenüber. Ich lernte, dass frau in Georgien richtig laut weinen darf bei einem Todesfall. Das Schluchzen von Piso, Iuras Frau, hörten wir gut. Sie war nicht alleine. In ihrem Wohnzimmer waren immer Leute neben ihr und um den Sarg versammelt. Ab 1 Uhr nachmittags war die Wohnungstür offen und Besuchende kamen und gingen bis in die späten Abendstunden. Im Treppenhaus blieb man stehen und tauschte sich auf den Zwischenbödeli über dies und jenes aus. Vor allem Männer. Auch die Haustür unten war den ganzen Tag weit offen und auf dem Trottoir gab es immer wieder wechselnde kleine Grüppchen, Dschor-Biuros. Tratschbüros, wie sie hier manchmal neckend genannt werden.

Am Abend des vierten Tages gabs endlich kühlenden Regen, nach tagelanger Backofenhitze
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Und am fünften Tag wurden alle Blumen mit dem Sarg in und aufs Auto verschoben
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In Georgien gibt es nur Erdbestattungen. Viele Friedhöfe sind auf den Hügeln, die sich in und um Tiflis verteilen
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Ob neu am Entstehen, oder jahrzentelang gewachsen. Zum festen Bestandteil eines Friedhofs gehören zwischen den Gräbern immer wieder kleine Tische und Bänke. Am Ostermontag z.B gehen die Familien mit vollgepackten Picknickkörben auf den Friedhof. Wenn man isst und trinkt, bekommen die Toten auch davon ab, so die Vorstellung. Werden an Gedenktagen für die Toten Gräber besucht, dann ist Wein meist mit dabei. Zuerst wird auf die Toten getrunken, und anschliessend bekommen auch diese vom guten Tropfen. Er wird über dem Grab sorgfältig verteilt.
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Unser Treppenhaus hat jetzt wieder ein anderes Gesicht. Die Beseeltheit ist etwas anderem gewichen. Iuras Seele ist jetzt auf dem Weg. 40 Tage nach dem Tod wird sich entscheiden, ob die Seele in den Himmel kommt oder in die Hölle, so der georgisch-orthodoxe Glaube. Der Entscheid wird aus meiner Sicht nicht schwer fallen.

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In Tornikes Garten

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Dort wo Raketen starten und Globusdisteln, so gross wie Häuser, in den Himmel ragen, dort leben Hund und Katz friedlich miteinander
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unter dem sorgsamen Auge von Tornike, Wachos Onkel.
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Oft beschliessen wir unsere Reisen hier, in Tornikes Garten, im Dörflein Kvischiani, oberhalb des Tiflissees
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Auf rund 700 m kann man sich hier unter Nussbäumen wunderbar erholen. Zwei jedoch sind emsig an der Arbeit: In der improvisierten Openairküche sind Wacho und Tornike Meister des Geschehens. Ob z.B. Mzvadis – Fleischspiesse vom Grill, Tschurtschchelas – feine Snacks aus Nüssen und Traubensaft, oder georgischer Frischkäse, unter ihren Händen entsteht Wunderbares, das später auf den Tisch kommt.

 

Und ich darf mit unseren Gästen geniessen. Mitte Juni machten wir zum ersten Mal Tschurtschchelas im Gruppeneinsatz, Wacho rührt oben die Traubensaftmasse an. Unten ein Bild der georgischen Spezialität, es bildet jedoch nicht genau unsere Produktion ab, wir nahmen es gemütlich und ca. acht Stück hingen nach getaner Arbeit zum Trocknen an den Bäumen. Da es ein First Time war, blieb keine Zeit zur Dokumentation, alle waren involviert!
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Bildquelle: Internet

Gesehen.

kazbegi-georgien.jpgNeue Spielwiese für Kühe?

stepanzminda-georgien.jpgNeue Spielwiese für Kühe.

Und warum die Zweibeiner in den Wiesen unterwegs sind ohne Gras zu fressen, macht ja für keine Kuh Sinn. Ob die sich durch dieses dunkle Teil, das sie sich immer wieder vor die Augen oder den Oberkörper halten, ernähren?

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Dort wo keine Kuh mehr hingeht, verschwinden die Zweibeiner in ihren langen rollenden Schachteln im Fels und kommen nicht mehr zurück. Gesehen bei der Darial-Schlucht, georgisch-russische Grenze, Grosser Kaukasus.

Ein Staubsauger

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…liegt genüsslich auf dem weichen Teppich der Tifliser Moschee. Ich bin sicher ich hätte ihn schnurren gehört, wäre ich näher zu ihm hingegangen.

Die Jumah Moschee, so wird sie auch genannt, ist einzigartig: In ihr beten Sunniten und Shiiten nebeneinander.
In den 30er Jahren der Sowjetzeit musste die zweitletzte Moschee von Tiflis, die Blaue Moschee, baulichen Massnahmen weichen. Die Shiiten fanden in der Folge Aufnahme bei den Sunniten in der Jumah Moschee. Selbst der Vorhang, der Anfang der 90er Jahre, seit der Unabhängigkeit, noch für eine klare Trennung sorgte, fiel mit der Zeit weg. Was für eine wunderbare Pragmatik. Gratulation. Wen wundert es da, einen Staubsauger auf dem Teppich schnurren zu hören?

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In der Höhle

Zwischen den Touren nach Hause kommen. Ein paar Tage in der Höhle, vor Ort. Die Pflanzen im Wohnzimmer wieder aufrichten. Im Bett liegen bleiben. Gedanken und Bildern Zeit geben zu fliessen. Sich selbst als alte Frau sehen. 80, 90 werden. Zurück schauen als alte Frau. Vieles wird nicht mehr wichtig sein. Nur noch die grosse Übersicht. Und Demut. Mehr nicht. Und kein bisschen weniger.

Frau schaut zurück. Wallpainting in Tiflis, Georgien.

Von Nord nach Süd

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Du magst Farben? Ich auch. Drei Stunden von Tiflis nordwärts gibt es eine Schlucht, die zu einem geheimnisvollen Hochtal führt. Mineral- und Schwefelquellen, ein blubbernder Pool mit Kohlensäure und viel Eisen. Verlassene Dörfer, ein Frauen- und ein Männerkloster, und ganz am Schluss des Tals zwei Männer der Grenzwache, die uns in ihr Zelt einladen um Picknick zu machen. Ihr Tschatscha, georgischer Grappa, erwärmte uns in Sekundenschnelle von den Haarspitzen bis zur Zehe!

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Szenenwechsel. Runter aus den Bergen, durch die Transkaukasische Ebene, rauf in den Kleinen Kaukasus im Süden. Moderate Höhe, 750 m, wir befinden uns im Heilwasserkurort Bordschomi. Dies Bilder von Bordschomis nicht-touristischer Seite.

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Grüsse von der Quartier-Gang!

On the road again

Plötzlich war er da, der Mai. Und mit ihm unsere Gäste – wir sind auf Tour.

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und nicht nur wir. Grossandrang auf der Alten Heerstrasse Richtung Grosser Kaukasus! Zum Glück waren wir auf dem Rückweg…

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Der Klassiker. Gergeti Dreifaltigkeit auf 2100 m. Ich werde nicht müde von diesem Anblick, und nicht nur von diesem.

Im Moment kann ich nicht regelmässig berichten, ich melde mich so bald als möglich wiederherz