Weihnachten 2016

In Tiflis gibt es zwei ostkatholische Kirchen. Nachdem ich letztes Jahr nicht gerade begeistert war von meinem Weihnachtsgottesdienstbesuch, probierte ich vorgestern die andere Kirche aus. Somit habe ich jetzt den Unterschied der zwei Kirchen herausgefunden. Die eine, die von letztem Jahr, wird für und von Ausländern betrieben. Die andere ist für die georgischen Katholiken. Der Gottesdienst war also auf Georgisch, wie ich einigermassen überrascht feststellte – letztes Jahr wurde alles auf Englisch zelebriert. Der Pfarrer aber war aus Italien. Das scheint so Sitte zu sein, denn ich habe bereits in einer anderen Stadt einen italienischen Pfarrer getroffen, der versucht seine georgisch-katholischen Schäfchen zusammenzuhalten.
Die zehnjährige Tasso, Wachos Nichte, begleitete mich diesmal. Sie wollte die Orgel sehen und hören, die es in unseren Kirchen gibt. Dass der Pfarrer kein hiesiger war kam mir entgegen, denn so wurde der Text schön langsam gesprochen – den Hauptteil der Predigt las er ab, und dennoch war es für ihn schwierig die Zeilen auseinanderzuhalten und Ordnung im Wörter- und Buchstabendschungel zu haben. Er hat es gut gemacht, nahm es mit der Ruhe und es war ganz bestimmt nicht seine erste Predigt. Beim Freisprechen unterstützten ihn seine Assistenten, wenn er allzu lange nach (noch) nicht vorhandenen Worten angelte. Hut ab, es ist eine Herausforderung, sich als Fremdsprachler einer georgischsprachigen Kirchgemeinde anzunehmen. Die Kirche war stilvoll und den europäischen Kirchen ähnlicher als jener, die ich letztes Jahr in Tiflis kennenlernte. Auch ein mir bisher unbekanntes Ritual bekam ich zu sehen: Das Jesuskind wurde im Mittelteil des Gottesdienstes von einem jungen Mädchen in Weiss durch den Hauptgang nach vorne zum Altar getragen. Dann wurde das Objekt kräftig geweihräuchert und an seinem Platz installiert.
Ich hatte schon fast vergessen, dass in unseren Kirchen auch das Volk zu Wort kommt. Etwa sieben Frauen und Männer lasen einen kleinen Text von der Kanzel vor. Das empfand ich als angenehm demokratisch, die georgisch-orthodoxe Kirche kennt so was nicht. Auch das Abendmahl hatte für mich noch eine Überraschung bereit. Die Hostie wurde kurz in Wein getunkt, bevor sie abgegeben wurde – so hatte ich bereits Anfang Nachmittag einen halben Schwips!

katholische-kirche

Die georgische, orthodoxe Weihnacht findet nach dem alten Kalender, am 6./7. Januar statt. Unten der traditionelle georgische Weihnachts- und Neujahrsbaum, er heisst Tschitschilaki und bringt den Familien Glück und Frieden. Wir heissen seine Kräfte in unserer Stube willkommen. Ursprünglich kommt er aus Gurien, einer Region der Westküste, seine weisse Pracht entsteht aus dem Ast eines Haselstrauchs

weihnachtsbaum

Impressionen von Tiflis und den gurischen Weihnachtsbäumen, die sehr verbreitet sind. Nach ca. einer Minute sieht man im Film wie der Tschitschilaki hergestellt wird. Ich wünsche Dir frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Danke dass Du meine Beiträge verfolgst und mich somit aus der Ferne begleitest.

Ein Gedanke zu “Weihnachten 2016

  1. Alles klar: Ich war überrascht bereits heute am 28.Dezember zu Beginn Deines Blogs vom Kirchenbesuch zu lesen. Tatsächlich habe ich diesen erst für den 6./7. Januar erwartet. Doch am Schluss war alles geklärt! Danke, für Deinen einmal mehr spannenden Beitrag mit vielen neuen Informationen und die Wünsche zum neuen Jahr! Der Georgische Weihnachts- und Neujahrsbaum erinnert mich etwas an Sandra Hüllers Kostüm im „Toni Erdmann“!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..